Visitenkarten bestellen mit Power Apps: Wie aus vielen Händen und Wochen ein Klick wurde

Visitenkarten liefen über E-Mail, Excel und Freigabeschleifen mit der Druckerei. So haben wir den Bestellprozess mit Power Apps und SharePoint neu gebaut.

Tobias Maieraktualisiert am 9 Min. Lesezeit

Eine Visitenkarte zu bestellen klang bei diesem Kunden – einem filialstarken Handelsunternehmen mit mehreren Gesellschaften – nach fünf Minuten Arbeit. In Wirklichkeit war es ein erstaunlicher Umweg: Bestellung per E-Mail, dazu eine Excel-Liste, in die jeder seine Daten eintippte. Waren genug Bestellungen zusammen, gingen sie an die Druckerei. Die erstellte Freigaben, schickte sie an den Einkauf, der an den Mitarbeiter, der gab frei, zurück an den Einkauf, zurück an die Druckerei. Für ein Stück Karton durchlief eine Bestellung mehrere Hände und mehrere Wochen. In einer digitalen Zeit ein bemerkenswerter Aufwand. Wir haben uns diesen Ablauf aus eigener Initiative angesehen – und ihn von Grund auf neu gebaut: als schlanke Anwendung in Microsoft 365, mit Power Apps, SharePoint und Power Automate.

Der alte Weg: viele Hände für ein Stück Karton

Der Reiz des Beispiels liegt darin, wie normal dieser Ablauf wirkte – und wie viele Beteiligte er trotzdem band:

  1. Bestellung per E-Mail anstoßen und die Excel-Vorlage anfordern.
  2. Kontaktdaten von Hand in die Excel-Liste eintippen.
  3. Warten, bis genug Bestellungen für einen Sammelauftrag zusammenkamen.
  4. Sammelliste an die Druckerei; die erstellte daraus Freigabe-PDFs.
  5. Freigaben zurück an den Einkauf, von dort an jeden einzelnen Mitarbeiter.
  6. Mitarbeiter prüft und gibt frei – zurück an den Einkauf, zurück an die Druckerei.

Jeder Schritt für sich war harmlos. In Summe entstand ein Prozess ohne Standard, ohne Status und ohne klare Verantwortung – abhängig von Postfächern, Excel-Versionen und Geduld. Und jede Freigabeschleife existierte nur, weil niemand vorher sah, wie die Karte am Ende tatsächlich aussehen würde.

Ein Prozessproblem, wie es in fast jedem Unternehmen steckt

Solche Abläufe gibt es in fast jedem Unternehmen mit verteilten Mitarbeitenden, festem Corporate Design und einem externen Dienstleister – von der Visitenkarte über Bedarfsanforderungen bis zu Freigaben. Fachlich sind sie trivial, operativ aber unübersichtlich, weil sie nie bewusst gestaltet wurden. Genau deshalb eignen sie sich, um zu zeigen, was operative Digitalisierung im Alltag bedeutet: einen sauberen Ablauf mit eindeutigen Daten, klaren Rollen und einer verlässlichen Übergabe.

Die Lösung: der Visitenkarten-Bestellprozess in Power Apps und SharePoint

Entstanden ist eine schlanke Anwendung, die vollständig in der bestehenden Microsoft-365-Umgebung des Unternehmens läuft; Anmeldung, Rollen und Daten bleiben im eigenen Tenant. Drei Bausteine greifen ineinander:

Power App

Eine interne App als einziger Einstieg: Mitarbeitende erfassen ihre Daten und sehen sofort die fertige Karte. Der Einkauf hat eine eigene Übersicht aller Anträge.

SharePoint

Zentrale Datenbasis: Anträge mit Status und Historie, dazu Stammdaten für Gesellschaften, Adressen und Kostenstellen sowie die hinterlegten Kartenvorlagen.

Power Automate

Zwei Flows bündeln die freigegebenen Anträge auf Knopfdruck zu einer Datei für die Druckerei und markieren sie automatisch als exportiert.

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Der Antrag mit Live-Vorschau: Während der Mitarbeiter die Felder ausfüllt, entsteht rechts die druckfertige Karte im Corporate Design (anonymisierte Musteransicht, fiktives Unternehmen).

Drei Details, die den Unterschied machen

Die Karte, bevor sie gedruckt wird

Herzstück ist eine maßstabsgetreue Live-Vorschau: Während der Mitarbeiter Name, Funktion, Telefon und Co. eingibt, entsteht daneben in Echtzeit die fertige Visitenkarte im Corporate Design – exakt so, wie sie später aus dem Druck kommt, inklusive Logo, Kontakt-Icons, Gesellschaftsadresse und optionalem QR-Code. Damit verschwindet der eigentliche Grund für die alte Korrekturschleife: Die Freigabe passiert beim Ausfüllen, die nachgelagerte Schleife mit der Druckerei entfällt. Was der Mitarbeiter absendet, ist bereits das geprüfte Ergebnis.

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Prüfung & Freigabe: Die Freigabe passiert am fertigen Bild, bevor etwas an die Druckerei geht (Musteransicht).

Vorlage und Stammdaten kommen automatisch

Niemand wählt mehr eine Vorlage aus oder tippt eine Firmenadresse ab. Welche Kartenvorlage gilt – etwa Standard- oder Filial-Visitenkarte –, ergibt sich automatisch aus der Gruppe der Person in Microsoft Entra ID (früher Azure AD). Gesellschaft, Adresse und Kostenstelle kommen aus SharePoint-Stammdaten. So ist jede Karte von vornherein korrekt und markenkonform, ohne dass jemand Corporate-Design-Regeln im Kopf haben muss. Bei mehreren Gesellschaften und vielen Standorten ist genau das der Punkt, an dem der alte Excel-Weg regelmäßig scheiterte.

Vom Antrag zum Druck: ein Klick statt einer Sammelmail

Der Einkauf sieht in seiner Übersicht alle Anträge und löst die Übergabe an die Druckerei per Knopfdruck aus. Im Hintergrund sammeln zwei Power-Automate-Flows die passenden Anträge, erzeugen daraus eine strukturierte CSV-Datei, legen sie für die Druckerei ab und markieren die enthaltenen Anträge als exportiert – damit nichts doppelt läuft. Aus „Excel-Liste pflegen und mailen“ wird ein einziger Klick mit sauberem, einheitlichem Datenformat.

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Die Einkaufs-Übersicht: freigegebene Anträge werden ausgewählt und per Klick als CSV an die Druckerei übergeben – danach automatisch als exportiert markiert (Musteransicht).

Warum die Lösung im eigenen Microsoft 365 läuft

Für einen wiederkehrenden internen Ablauf lohnt sich selten eine eigene Spezialsoftware mit eigener Anmeldung, eigenem Lizenzmodell und eigener Datenhaltung. Power Apps, SharePoint und Power Automate sind in den meisten Microsoft-365-Umgebungen längst vorhanden; sie müssen nur als Prozessplattform genutzt werden. Die Lösung läuft deshalb im bestehenden Tenant: Anmeldung über das gewohnte Microsoft-Konto, Rollen über die vorhandenen Gruppen, Daten unter der eigenen Governance. Kein zusätzliches System, das gepflegt, geschult und bezahlt werden will.

Was der Betrieb heute davon hat

Aus einem vielstufigen E-Mail-Prozess ist ein geführter Self-Service geworden:

  • Mitarbeitende bestellen selbstständig – mit maßstabsgetreuer Vorschau statt Blindeingabe in Excel.
  • Jede Karte ist von vornherein korrekt und markenkonform, weil Vorlage und Stammdaten automatisch stimmen.
  • Die Korrektur- und Freigabeschleife mit der Druckerei entfällt weitgehend.
  • Der Einkauf übergibt gebündelt per Klick – einheitliches Format, keine Sammelmails.
  • Jeder Antrag ist mit Status und Historie nachvollziehbar, statt in Postfächern verstreut.
  • Mehrere Gesellschaften und Filialen laufen über denselben Prozess, ohne Sonderwege.

Operative Digitalisierung beginnt meist bei den kleinen, wiederkehrenden Abläufen, die niemandem gehören und trotzdem jeden Monat Zeit kosten. Der Visitenkarten-Prozess ist dafür ein Musterfall: erst den Ablauf verstehen, dann mit vorhandenen Bordmitteln sauber bauen, und aus vielen Händen wird ein Klick. Dasselbe Prinzip trägt für Bedarfsanforderungen, Freigaben, Onboarding oder jede andere interne Bestellung.

Welcher interne Ablauf läuft bei dir noch über E-Mail, Excel und Zuruf? Oft steckt genau dort der größte, unbeachtete Zeitfresser. Wir schauen gemeinsam drauf und zeigen, was sich mit den Microsoft-365-Bordmitteln schlank und belastbar abbilden lässt.

Gespräch anfragen

Den Bestellprozess gibt es inzwischen als fertige Lösung für dein Microsoft 365, mit Einführung in vier bis sechs Wochen: Visitenkartenservice für Microsoft 365.

Alle Insights

Fragen zu: Power App: Visitenkarten-Bestellprozess

  • Am Anfang steht der Ablauf: Wer darf bestellen, welche Angaben sind Pflicht, welche Vorlage gilt, wer gibt frei und wie gelangt die Bestellung zur Druckerei. Ist das geklärt, übernimmt eine Power App die Erfassung mit maßstabsgetreuer Live-Vorschau, SharePoint hält Anträge und Stammdaten, und ein Power-Automate-Flow übergibt die freigegebenen Karten gebündelt an die Druckerei – ohne E-Mail-Schleifen.

  • Typische Beispiele sind Visitenkarten- und Materialbestellungen, Bedarfsanforderungen, Urlaubs- und Freigabeanträge, Onboarding-Checklisten oder einfache Prüf- und Dokumentationsabläufe. Überall dort, wo Formular, Pflichtangaben, Freigabe und eine saubere Übergabe zusammenkommen, sind Power Apps, SharePoint und Power Automate als Low-Code-Bordmittel eine schlanke Alternative zu einer eigenen Spezialsoftware.

  • In der Regel nicht. Die Lösung nutzt die vorhandenen Microsoft-365-Bordmittel – Power Apps, SharePoint und Power Automate. Zusätzliche Power-Apps-Lizenzen können nötig werden, sobald Premium-Connectoren oder externe Datenquellen ins Spiel kommen; für einen internen Prozess wie diesen reichen häufig die vorhandenen Lizenzen.

  • Ja. Alles läuft im bestehenden Microsoft-365-Tenant: Anmeldung über das gewohnte Konto, Rollen über vorhandene Gruppen, Daten in eigenen SharePoint-Listen unter deiner Governance. Es verlässt kein Datensatz das Haus in ein Drittsystem.

  • Der Einkauf löst die Übergabe per Klick aus. Ein automatisierter Ablauf bündelt die freigegebenen Anträge zu einer strukturierten Datei im einheitlichen Format und legt sie zur Abholung ab – die früher manuell gepflegte und gemailte Sammel-Excel entfällt.

  • Ja. Das Muster – geführtes Formular, Stammdaten statt Freitext, klare Rollen, saubere Übergabe – passt auf viele wiederkehrende Abläufe: Bedarfsanforderungen, Freigaben, Onboarding-Checklisten oder interne Bestellungen aller Art.

  • Das hängt weniger an der Technik als an der Prozessklärung. Entscheidend ist, vorher Pflichtfelder, Rollen, Vorlagen und die Übergabe sauber zu definieren. Ist der Ablauf klar, entsteht die Anwendung schlank und wächst iterativ mit dem Praxis-Feedback.

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